Gemeindegeschichte seit 1929
1927 bittet ein nach Chemnitz versetzter reformierter Postbeamter seine ehemalige Heimatgemeinde Aschersleben um die Taufe seines Kindes. Er wird nach Leipzig verwiesen, da die dortige reformierte Kirche nach dem „Regulativ über die kirchlichen Verhältnisse der evangelisch-reformierten Glau­bensgenossen in den königlich-sächsischen Landen" von 1818 für das gesamte Gebiet Westsachsen zuständig ist. In der Folgezeit kommt es zu regen Kontakten zwischen dem Leipziger Konsistorium und einer kleinen Gruppe von Chemnitzer Reformierten, deren Vertreter Dr. med. Karl Fabian als Gründervater der Gemeinde anzusehen ist. Im Wartezimmer seiner Praxis wird am 29.10.1929 im Beisein des Leipziger Pfarrers Rudolf Mühlhausen und weiteren Mitgliedern des Konsistoriums der Leipziger Gemeinde eine „Freie Vereinigung Evangelisch-Refor­mierter Glaubensangehöriger in Chemnitz und Umgebung" gegründet.
Der erste reformierte Gottesdienst findet am 1. Advent 1929 in der Aula der Industrieschule in Chem­nitz statt. Im Januar 1931 zählt die „Evangelisch-reformierte Gemeinde Chemnitz, Zweiggemeinde von Leipzig" - wie sie sich jetzt nennt- bereits 471 Mitglieder.
Gottesdienste werden bis zum Kriegsende monatlich gehalten, zunächst in der Aula des Realgymna­siums, ab August 1938 in Räumen der Stadtmission. Neben den Gottesdiensten findet bereits ein reges Gemeindeleben statt; namentlich Pfr. Mühlhausen hat die Gemeinde zu seiner Zeit nachhaltig geprägt.
Nach 1945 sammelt sich die Gemeinde wieder monatlich zum Gottesdienst in der Aula des Realgym­nasiums. Ab 1950 muss sie eine starke Abwanderung in die damaligen Westzonen verkraften, zählt aber immer noch ca. 450 Gemeindeglieder; die Gottesdienste werden von bis zu 200 Gemeindeglie­dern besucht. Seit 1948 finden die Gottesdienste in Räumen der lutherischen Kirche statt.
Das Presbyterium fasst 1954 den Beschluss, sich ernsthaft um einen eigenen Gottesdienstraum in der Stadt Chemnitz zu bemühen, man bleibt jedoch wegen fehlen­der Geldmittel und auch wegen politischer Widerstände auf die Räume der lutherischen Kirche an­gewiesen, deren Bereitschaft zur gastfreien Aufnahme mit der Verschärfung der kirchenfeindlichen Politik seitens des Staates steigt.
1978, nach einer spürbaren Entwicklung des Gemeindelebens, kann im Zusammenhang mit einer für die kleine Gemeinde erheblichen Spende für den Umbau der lutherischen Johanniskirche zu einem Gemeindezentrum die Dauernutzung für reformierte Gottesdienste und andere Veranstaltungen ver­traglich ausgehandelt werden. Bis 1995 finden die Gottesdienste und alle größeren Gemeindeveran­staltungen dort statt, das Gemeindeleben kann sich weiter entfalten.
Im Frühjahr 1989 gelingt es der Gemeinde im Vorfeld der Kommunalwahlen, den staatlichen Behör­den das Nutzungsrecht für die Wohnung einer verstorbenen Presbyterin in der Frankenberger Straße abzuringen und in diesen Räumen ein erstes eigenes Gemeindezentrum mit Gruppenräumen und Büro einzurichten. Trotz dieser Aktivitäten sinken die Mitgliederzahlen bis 1989 stetig durch Todes­fälle, Austritte vor allem jüngerer Erwachsener und, besonders schmerzlich, durch die Übersiedlung ganzer Familien nach Westdeutschland, die nicht selten zu den aktivsten Gemeindegliedern gehört hatten. Bis zur Wende 1989 hat sich die Mitgliederzahl bei ungefähr 140 Mitgliedern eingependelt, grö­ßere Veränderungen sind seitdem trotz der politischen Veränderungen nicht eingetreten.
1993 ergeben sich mit der Aufnahme der Leipziger Kirchengemeinde in die Evangelisch-reformierte Landeskirche (Synode der Ev.-ref. Kirchen in Bayern und Nordwestdeutschland) auch für die Chem­nitzer Zweiggemeinde neue Impulse. Gefördert von der Landeskirche, beginnt ein offenes Nachden­ken über die weiteren Perspektiven für die Gemeinde, wobei die immer noch unbefriedigende Raumsituation im Mittelpunkt steht. Als erste Unterstützung beauftragt die Landeskirche einen Hilfsprediger (Pastor collaborans) mit der Betreuung der Gemeinde, die damit ihren ersten eigenen Prediger hat. Nach dem Angebot der Stadt Chemnitz, das bebaute Grundstück Marschnerstraße 15 in Erbpacht übernehmen zu können, wird in Übereinstimmung mit der Leipziger Kirchengemeinde und in Absprache mit der Landeskir­che die rechtliche Verselbständigung der ehemaligen Zweiggemeinde beschlossen und mit vereinten finanziellen und Muskel-Kräften der Umbau des Gebäudes zum Gemeindehaus vorangetrieben.
Am 30.10.1994 findet in Chemnitz - noch in der lutherischen Johanniskirche - der Gründungsgottes­dienst der nunmehr kirchenverfassungsrechtlich selbständigen „Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Chemnitz-Zwickau" statt. Vierzehn Monate später, am Heiligabend 1995, kann die Gemeinde ihr neues Domizil beziehen, seither finden alle Gottesdienste und Veranstaltungen, mit Ausnahme der Zwickauer Gottesdienste, in diesem Haus statt. Das Gemeindeleben festigt sich auf der Basis von ungefähr 140 Gemeindegliedern spürbar, die Zahl der Veranstaltungen kann verdoppelt werden.
Am 10.01.1999 findet die erste Pfarrwahl in der Gemeinde statt, am 21.03.1999 folgt die Ordination von Pfarrer Thoralf Spiess; die Gemeinde hat damit ihren ersten eigenen ordinierten Pfarrer.
Am 08. Dezember 2000 erhält die Gemeinde vom Freistaat Sachsen, und somit auch von staatlicher Seite, den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechtes zuerkannt.
Um 1940, die Gemeinde zählt ungefähr 600 Mitglieder, kommt es auch in Plauen und in Zwickau zu ersten Zusammenkünften von Reformierten, die in der Chemnitzer Gemeinde gemeldet waren und von den Leipziger Pfarrern mit betreut werden. Sinkende Mitgliederzahlen machen Mitte der siebziger Jahre eine Zusammenfassung in einer ebenfalls von Leipzig aus betreuten Filialgemeinde Zwickau-Plauen sinnvoll. 1988, als die Mitglieder­zahlen in dieser Filialgemeinde wiederum stark sinken, beschließt das Leipziger Konsistorium die Angliederung aller in diesem Gebiet ansässigen Reformierten an die Chemnitzer Kirchengemeinde.
In Zwickau wird seitdem mehrmals im Jahr ein eigener reformierter Gottesdienst mit anschließendem Gemeindenachmittag angeboten, diese Zusammenkünfte finden seit Jahren in der lutherischen Mo­ritzgemeinde Zwickau statt.
Für die musikalische Begleitung besaß die Gemeinde seit 1951 bis 1992 ein Harmonium, das 1992 von einer elektronischen Orgel, einer Spende der reformierten Niederländisch-Wallonischen Gemeinde Hanau, abgelöst wurde. Erstmals Anfang 1997 beginnt die Gemeinde mit Überlegungen zum Erwerb eines Tasteninstrumentes für den Gemeindesaal. Gleichzeitig beschließt die Gemeinde, hierfür Spen­den und Kollekten zu sammeln; erst beim Spendenstand von 10.000 DM soll mit Überlegungen zur Machbarkeit begonnen werden. Nachdem dieses Ergebnis 2001 erreicht ist, beschließt das Presbyterium den Neubau einer Pfeifenorgel. Nach einer Ausschreibung überzeugt allein das Angebot von Orgelbaumeister Georg Wünning aus Großolbersdorf.
Die Spendenaktion konnte im Oktober 2002 mit einem Betrag von 10.757 € abgeschlossen werden. Die Restfinanzierung sicherten mit nicht unerheblichen Beträgen die Landeskirche, unser bayerischer Synodalverband und die Gemeinde selbst. Die Indienstnahme der Orgel erfolgte am Reformationstag 2002. Unsere ehemalige E-Orgel tut ihren Dienst mittlerweile in der Ev.-ref. Kirchengemeinde in Strzelin (dt.: Strehlen), Polen, wohin wir sie im letzten Jahr verschenkt haben.
In den 80er und Anfang der 90er Jahre bestanden über die Leipziger Gemeinde lebendige partnerschaftliche Kontakte zur ev.-ref. Kirchengemeinde in Bückeburg, zu Schweizer Kirchengemeinden und zum bayerischen Synodalverband. Seit 1993 pflegt die Gemeinde eine intensive Partnerschaft mit der Ev.-ref. Kirche in Lódz, Polen. Beide Kirchengemeinden engagieren sich seit Jahren für den Um- und Ausbau eines Gemeindehauses in der Ev.-ref. Kirchengemeinde Pstrazna im Glatzer Bergland.
Die Kirchengemeinde ist Mitglied im XI. -bayerischen- Synodalverband unserer Landeskirche, deren Bezirkssynode sie 1999 ausrichten konnte, sowie im Konvent evangelisch-reformierter Kirchengemeinden im Freistaat Sachsen, deren Geschäfts­führung die Gemeinde inne hat.